Azubi-Wohnheim

Steigende Mieten und zunehmend knapper Wohnraum ist nicht nur in Städten wie Berlin und München zu spüren: Auch in Bremen ist der Wohnungsmarkt zunehmend angespannt! Stadtteile, die vor allem für junge Menschen interessant sind, sind davon besonders betroffen und es sieht nicht so aus, als würde sich die Lage kurzfristig von alleine verbessern.

Jedoch stehen im Land Bremen für extra für Studierenden zwölf Wohnanlagen mit über 2000 Plätzen bereit, die Wohnungen deutlich unter der für Bremen durchschnittlichen Miete bereitstellen. 203€-313€ Warmmiete inkl. Internet – solche Angebote gibt es momentan nur für Studierende.

Auch Azubis brauchen dringend günstigen Wohnraum!

Knapp drei Viertel der Auszubildenden wohnt bei ihren Eltern oder anderen Verwandten. Jedoch sind mit dieser Situation nur rund ein Drittel der Azubis zufrieden. Zwei Drittel wünschen sich eine eigene Wohnung. Das ergeben Umfragen der DGB-Jugend, die im Ausbildungsreport 2020 vorgestellt wurden. Die Realisierbarkeit der eigenen vier Wände scheitert dabei häufig an der finanziellen Situation.

Diese Ergebnisse zeigen ganz eindeutig, dass dringend bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende geschaffen werden muss.

Studierende profitieren in einer ähnlichen Lebenssituation von zahlreichen Vergünstigungen und Angeboten auf dem Wohnungsmarkt. Die staatlich geförderten Wohnheime ermöglichen dabei einen erleichterten Start in eine neue Stadt, die Möglichkeit schnell neue soziale Kontakte zu Gleichgesinnten zu knüpfen und räumliche Nähe zur Universität.

Für Auszubildende gibt es solche Angebote in Bremen noch nicht. Dadurch wird der Zuzug von jungen Menschen nach Bremen erschwert.

Wie sieht die aktuelle Lage in Bremen aus?

Die Idee, ein Azubiwohnheim in Bremen zu errichten, ist nicht neu. Bereits 2017 gab es den Vorschlag, das Jakobushaus nahe des Hauptbahnhofs zu einem Wohnheim ausschließlich für Auszubildende umzubauen. Die Stadt hat 4,8 Millionen Euro für den Umbau des Hauses bereitgestellt, jedoch konnte kein Investor gefunden werden, der bereit war, zu diesen Konditionen das Vorhaben anzugehen. 

Zudem werden Teile des Jakobushauses derzeit vom Kunst- und Kulturverein Zucker genutzt, der außerdem ein Interesse an dessen Weiternutzung hat. Die Idee, das Jakobushaus zu einem Azubiwohnheim umzufunktionieren, scheint derzeit nicht mehr realistisch. Alles in allem sind das Gebäude und deren Lage nicht attraktiv genug, um ein Wohnheim für Auszubildende genau dort umzusetzen.

Seit zwei Jahren gibt es somit bei dem Vorhaben Azubiwohnheim keinen nennenswerten Fortschritt. Dabei wäre die Errichtung und Förderung eines Azubiwohnheims ein wichtiger Schritt, Auszubildenden den Zuzug nach Bremen zu ermöglichen. Erst jetzt nimmt das Thema auf Initiative des baupolitischen Sprechers der SPD-Fraktion Falk Wagner langsam wieder Fahrt auf. Auch im Koalitionsvertrag wird öffentlich geförderter Wohnraum für Azubis als weiterer Baustein innerhalb des sozialen Wohnungsbaus genannt.

Es gibt bereits beachtenswerte Initiativen, vermehrt Auszubildenden Wohnraum anzubieten. Die städtische Wohnungsgenossenschaft GEWOBA kaufte 2019 das ehemalige Bundeswehrhochhaus in der Bahnhofsvorstadt. Dort sollen bezahlbare Wohnungen insbesondere für Berufsanfänger*innen und Auszubildende eingerichtet werden. Auch wenn es sich dabei nicht um ein reines Azubiwohnheim handelt, ist dieses Vorhaben immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.

Vorbild Hamburg

Als Vorbild könnten Projekte für Azubiwohnheime in Hamburg dienen. Dort fördert die gemeinnützige Stiftung Azubiwerk neben pädagogischer Begleitung und Beratungs- und Unterstützungsangeboten auch günstigen Wohnraum für Auszubildende. Bereits zwei Azubiwohnheime werden vom Azubiwerk in Hamburg  betrieben, ein weiteres soll bis 2022 entstehen. Mehr als 250 Wohnungen für Einzelmieter*innen und Wohngemeinschaften bieten die drei Wohnheime zusammengerechnet, wobei die durchschnittliche Miete bei unter 240€ im Monat liegt. Für eine teure Stadt wie Hamburg sind das äußerst günstige Preise, die dem geringen finanziellen Spielraum der meisten Auszubildenden gerecht werden. Neben diesen reinen Azubiwohnheimen können Auszubildende in Hamburg zum Teil auch in Studierendenwohnheimen wohnen. Gleichzeitig fördert die Stadt den Bau weiterer Wohnheime. Davon profitieren dann sowohl Studierende als auch Auszubildende.

Wir fordern:

Staatlich geförderter, bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende ist unerlässlich, um diesen eine freie Wahl des Ausbildungsstandorts und eine größere Unabhängigkeit vom Elternhaus zu ermöglichen. Studierende profitieren von solchen Angeboten. Azubis diese Unterstützung zu verweigern, widerspricht dem Gleichbehandlungsgrundsatz.
Es müssen Konzepte erarbeitet werden, wie ein Azubiwohnheim in Bremen realisiert werden kann. Denkbar wären die Gründung eines eigenen Azubiwerkes oder auch die Zusammenarbeit mit der Hamburger Stiftung. Alternativ soll nach anderen möglichen Trägern eines Azubiwohnheims gesucht werden.
Beispielsweise betreibt die Bremer Heimstiftung auf ihrem Gelände die Holzbude – ein Studierendenwohnheim, dessen Plätze über das Studierendenwerk vergeben werden. Ein Azubiwohnheim mit gleichem Konzept erscheint uns sinnvoll.
Auch eine Kooperation mit dem Studierendenwerk – ähnlich wie in Hamburg – wäre zu begrüßen.

Eins ist klar: Ein Azubiwohnheim muss zeitnah realisiert werden, um die Unabhängigkeit der Azubis zu fördern!